Subjektive Wahrnehmung

Jeder kennt es. Die andere Kassenschlange ist immer schneller als die eigene, alle anderen sind im Stau schneller als man selbst und nie ist man selbst der Letzte der noch in die Disko gelassen wird.
Das ist natürlich Schwachsinn. Es hängt mit der subjektiven Wahrnehmung zusammen. Der Mensch ist von Natur aus ein Neider und fühlt sich immer benachteiligt wenn nicht er selbst bevorzugt wird. Man achtet also eher auf die negativen Erfahrungen als auf die Positiven, man behält sie viel leichter im Gedächtnis. Was spielen schon die 364 Tage im Jahr für eine Rolle, wenn man an einem Tag ein Knöllchen wegen Falschpark bekommen hat? Garnichts! Man echauffiert sich vor Anderen als jemand der andauernd Knöllchen bekommt.
Mit Lebensweisheiten verhält es sich genauso. Sie setzen da an wo die andere Kassenschlange schneller ist. Nämlich in der Wahrnehmung. Warum kommt immer alles anders als man denkt? Na weil man mit den Erfahrungen die man in seinem Leben macht natürlich nicht rechnen kann. Wenn man alles wüsste was in nächster Zeit passiert, dann wäre das Leben ziemlich langweilig. Was zählen schon alle vergangenen Tage, wenn auf einmal etwas Einschneidendes passiert? Sie werden zu einem kümmerlichen Etwas reduziert, weil der eine Tag der so einschneidend war für immer in Erinnerung bleiben wird. Und wenn er einem in Erinnerung bleibt, dann muss er etwas Besonderes gewesen sein, egal ob positiv oder negativ. So ist unser Verstand angelegt. Das Wichtige behält man im Gedächtnis, das Unwichtige nicht. Deshalb ist klar dass es einem vorkommt es komme immer alles anders als man denkt, weil nunmal normalerweise alles wie geplant abläuft.

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23 Kommentare

  1. Bonafilia

    ja, da kannst du recht haben…….aber–> meine Schlange an der Kasse, ist immer die längste und die Kassiererin muss mit 100%tiger Sicherheit die Papierrolle wechseln wenn ich an der Reihe wäre, oder das Kleingeld ist alle. 100%tig…. :lol:

  2. Ecki

    Und mein Gehirn legt auch unwichtiges ab. Sowas doofes aber auch. Hat aber auch einen Vorteil. So kann man mich auch Dinge fragen, die anderen entgangen sind!

  3. Schaps

    Bonafilia, du bist genial :D

    Ecki, das kenn ich aber auch…unnützes Wissen kann einem manchmal doch helfen ;)

  4. Violine

    Ich denke immer an diesen Satz: “Der Mensch denkt, Gott lenkt.”
    Wir hätten es so gern, dass wir alles planen könnten, machen könnten, und natürlich sehen wir uns immer als die Erfolgreichen, die Guten, diejenigen, die wissen, wo’s lang geht.
    Ist man älter und hat man mehr Lebenserfahrung, dann sieht man, dass es ganz gut ist, dass es nicht der Mensch ist, der lenkt.

  5. Schaps

    Violine, interessant dass du das vom spirituellen Standpunkt aus betrachtest. Ich tu sowas nie, ich bin unreligiös :)

  6. Violine

    Na ja, ich hab’s halt zur Genüge erfahren.
    Ich habe mal bei Friedrich Ani – das ist ein sehr guter Autor aus München – den Begriff “Binnenwelt” gelesen. Das finde ich sehr gut. Wir leben alle in unserer Binnenwelt und urteilen daraus heraus. Dabei machen wir uns nie klar, wie sehr unsere Binnenwelt mit der eines anderen deckungsgleich ist (oder eben nicht deckungsgleich). Und tun daraus heraus u.U. fürchterlich Unrecht.

    Magst Du ein paar Predigten online hören? Ich kann Dir die URL meiner Gemeinde geben! ;-)

  7. Schaps

    Das überlege ich mir glaub ich nochmal ^^

  8. Basti

    Mein Lieblingssatz:
    Ich stehe schon seit “Stunden” hier und der Bus kommt nicht…

  9. Schaps

    Genauso ist es, Basti! Oder auch: Die Bahnschranken waren MINDESTENS 15 Minuten unten ^^

  10. andrea2007

    Lieber Schaps, das ist sehr schön geschrieben, muss es erst einmal ein paar Mal durchlesen, um meine eigenen Gedanken dazu zu finden. Subjektive Wahrnehmung – ja unser Leben ist eine einzige subjetive Wahrnehmung und wir können selbst entscheiden, wie wichtig uns der eine Tag im Leben ist, an dem wir das Knöllchen bekommen oder die 364, an denen wir keines bekamen. Verharren wir bei den negativen Dingen oder wenden wir uns den Positiven zu? Wir haben jederzeit die Wahl.

    Das mit den Lebensweisheiten seh ich so, wenn sie in dem Moment passen, dann nehmen wir sie wahr und behalten sie auch im Kopf, wenn sie uns gar nicht ansprechen, vergessen wir sie schnell wieder…

    Danke für den guten Gedankenanstoss
    Liebe Grüsse Andrea

  11. Schaps

    Danke Andrea!
    Ich freu mich aber auch wenn ich andere zum Nachdenken bringen kann, also: Bitte! :)

  12. Mamü

    Ich finde ja auch, dass ich immer die falsche Kasse auswähle. Immer die, die langsamer vorangeht. :D

    Subjektive Wahrnehmung. Schöner Aspekt. Klar, wir sehen immer das, was uns selbst betrifft und interpretieren entsprechend.

    “Man achtet also eher auf die negativen Erfahrungen als auf die Positiven, man behält sie viel leichter im Gedächtnis.”
    Ich glaube, das kommt sehr stark auf die Einstellung an, die man selbst hat. Ob man Pessimist oder Optimist ist. Ob man einen Tag hat, wo man schlecht drauf ist oder gut gelaunt ist. An einem Tag, wo man schon mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, geht natürlich alles schief, weil schon der Fokus auf Negativ ausgerichtet ist. Und sobald nur annähernd was Negatives auftritt, denkt man sofort. Ist ja klar, dass mir das jetzt passiert. Positives geht unter, doch die kleinsten negativen Dinge bleiben haften.
    Ist man aber so richtig gut drauf, dann werden so kleine negative Erlebnisse gar nicht so stark wahrgenommen. Der Blick ist auf Positives ausgerichtet.

    Auch wenn man verliebt ist, sieht man nur die guten Eigenschaften des Objekts der Begierde, weil man nur das sehen will. ;-) Später, wenn die Verliebtheit nachlässt tauchen ganz “plötzlich” auch negative Seiten auf. Er/Sie hat sich “verändert”. ;-) Plötzlich nerven auch Dinge, die man vorher süß fand, weil sich die Einstellung verändert hat. Der Fokus liegt auf etwas anderes.

    Auch Erfahrungen haben sicher einen großen Anteil an der Subjektiven Wahrnehmung. Öfter das gleiche erlebt, ist klar, dass es wieder so sein muss. Muss es zwar nicht, aber vermutlich fällt es nicht auf, wenn es mal NICHT so ist, aber es fällt sofort auf, wenn es wieder so ist.

    Liebe Grüße,
    Martina

  13. Schaps

    Danke für diese ausführliche Stellungnahme :)
    Du hast recht, das mit dem von dir angeführten Zitat ist mir im Nachhinein auch aufgefallen, aber ich habe es nicht mehr geändert, war dafür etwas zu spät.
    Dass sich Personen scheinbar verändern wenn man sie nicht mehr liebt stimmt in den meisten Fällen auch, ich persönlich habe die Erfahrung eigentlich noch nicht gemacht. Vielleicht liegt das daran dass ich immer versuche solche nachträglichen negativen Erfahrungen zu verhindern indem ich versuche von Anfang an die Person als Ganzes zu betrachten und nicht nur die positiven Eigenschaften.

  14. Schöne Gedanken- Täuschung « Leben und Lieben in St. Moritz

    [...] Gedanken- Täuschung Schaps schrieb einen sehr interessanten Beitrag über “Selektive Wahrnehmung”, da fällt mir [...]

  15. Dori

    Lieber Schaps,

    das stimmt aber wirklich: ich stehe immer in der Schlange an deeer Kasse, wo kurz bevor ich endlich dran bin ein Umtausch stattfindet oder etwas nicht richtig ausgezeichnet ist.Wirklich. Und wenn ich da so stehe (stundenlang) versuche ich, mich in Geduld zu üben :-)

    Sonnige Grüße

    Dori

  16. Sicht-Feld

    Klar stehe auch ich immer in der langsamsten Schlange im Supermarkt, und meistens hat die Dame vor mir dann einen Artikel, bei dem der Preis fehlt, und es muss nochmal jemand losgeschickt werden… *seufz*
    Vielleicht sollten wir mal alle zusammen in einen Supermarkt gehen und uns gleichzeitig an verschiedenen Kassen anstellen, mal sehen, was passiert! :-)
    Und zu dem, was Mamü schreibt: Ich glaube, insbesondere an negativ geprägten Tagen spielt auch oft die Self-fulfilling-prophecy eine große Rolle. Klar habe ich genau an den Tagen, an denen es Pasta mit Tomatensauce gibt, ein weißes T-Shirt an, das ich anschließend wechseln muss. Klar wirkt die Erdanziehungskraft um mich herum an genau diesen Tagen deutlich stärker als sonst. Und klar steht an genau diesen Tagen die Tür des Hängeschranks in meiner Küche offen, wenn ich vom Aufsammeln der Reiskörner wieder hochkomme, die mir vorher runtergefallen sind…
    Murphy lässt grüßen…
    :-)

  17. Schaps

    Dori, du hast vergessen über die EC Karten Bezahler zu meckern! ;)
    Ich persönlich zahle in 95% der Fälle mit Karte, ich finde es einfach praktischer als andauernd Geld zu holen. Außerdem geht es mit PIN heutzutage sicher genauso schnell wie BAR. :)

    Mareike, das mit dem persönlichen Befinden kommt natürlich auch noch dazu, das stimmt. Da haben du und Mamü beide recht.
    Das was ich meine ist halt, dass man versuchen sollte darüber hinweg zu sehen. Also sich in einem solchen Fall dann klarmachen dass es eben NICHT so ist, dass alles schief läuft, sondern dass es nur so wirkt.
    So kann man zB auch mit Angst umgehen. Wenn einem klar ist dass man keine Angst zu haben braucht, dann kommt man mit angsterfüllenden Situationen viel einfacher klar.

  18. Es wirkt! « Sicht-Feld

    [...] Nachdem ich heute schon so viele Artikel über selektive Wahrnehmung und Glücklichsein (bei Schaps, Andrea und Elisabeth) gelesen und dazu meine Assoziation über die Self-fullfilling prohecy [...]

  19. Elisabeth

    Hm, sehr interessanter Artikel, lieber Schaps!!! *lächel*

    Wenn ich mal wirklich die Kassa mit der Warteschlange erwischen sollte, denke ich mir, wofür ist das eine Gelegenheit? Ich blättere schnell in einem Buch mit positiven Affirmationen, welches ich immer bei mir trage, ich telefoniere mit einer lieben Freundin, ich denke an schöne Dinge, es fällt mir genug ein, auch diese Zeit gut zu nützen, ohne mich zu ärgern.

    Du schreibst: “Das Wichtige behält man im Gedächtnis, das Unwichtige nicht.” Himmel, sind all die positiven Erlebnisse so unwichtig für dich? *grins* Dann ändere das und überlege dir, wie sie so wichtig werden können für dich, dass sie dir im Gedächtnis bleiben! ;-)

    Herz-lichst Elisabeth

  20. Schaps

    Hey Elisabeth!
    Ich meinte damit nicht dass man alles Positive vergisst oder fast nur Negatives in Erinnerung behält, sondern am ehesten Ereignisse die nicht planmäßig sind, die also aus dem strikten Tagesmuster fallen. Meistens sind es negative Ereignisse, jedenfalls denken wird das, weil wir die Positiven eher als normal hinnehmen.
    Was ich hiermit sagen wollte ist auch, dass man immer möglichst unvoreingenommen in den Tag oder Erlebnisse gehen sollte, dann beeinflusst einen auch diese Grundstimmung nicht, die Sichtfeld oben ansprach. Und man bekommt eine Sichtweise die eben nicht durch diese Selektivität oder Sujektivität beeinflusst wird.
    Ich habe mir diese Sichtweise eigentlich relativ gut angeeignet, weshalb ich diese platten Sprüche von wegen die andere Kasse ist immer schneller etc nicht nachvollziehen kann und auch teilweise nervig finde. Außer natürlöich es sind Scherze, wie auch hier in den Kommentaren ;)
    Bloß mach einem mit solch einer Sichtweise mal klar dass es Schwachsinn ist was er glaubt, das ist nicht so einfach,

  21. Cati

    Das Kassenbeispiel ist echt unschlagbar. Ich hatte das Gleiche heute bei Rossmann, zwei Kassen, zwei Schlangen. Ich bewegte mich kurz noch weg, um an der Seite nach einem Labello zu greifen, das und plötzlich wechselte der Mann, der bereits an der anderen Kasse anstand, in die Lücke, die ich freimachte. Während ich mich also nur eine Handlänge weg bewegte, stand der plötzlich an meiner Stelle… super Ding dachte ich mir, ich bin ja eigentlich nicht wirklich weg gewesen… also satnd ich dann länger an der Kasse, die ich eigentlich vorher für die “Schnellere” hielt – wie man sieht, es kommt und ist immer anders, als man erwartet ;-)

  22. Gaba

    Lieber Schaps und alle anderen subjektiven Wahrnehmer,
    subjektive Wahrnehmung ist ein Gebiet, mit dem ich mich täglich seit vielen Jahren intensiv beschäftige und deswegen möchte ich zu diesem Thema gern auch meinen Senf dazugeben ;-) .
    Zu Eurem Beispiel mit der Kasse würde mich mal interessieren, warum ihr es so eilig habt? Was ist so wichtig? Wovon halten Euch die drei Minuten denn ab?
    Energie folgt immer der Aufmerksamkeit.
    Wer also befürchtet immer die langsamere Kasse zu erwischen, wird das vermutlich auch erleben. Der Umkehrschluss funktioniert ebenso ;-)
    Ich wünsche Euch nur flotte Kassiererinnen und Menschen, die vor Euch nicht im Kleingeld kramen ;-)
    Besser und besser,
    Gaba

  23. Schaps

    Also wenn ich kurz noch was von der Seite hole und wieder in die Schlange auf meinen alten Platz will, dann mach ich das auch, dann stell ich mich nicht wieder hinten an. Aber nicht aus Trotz, sondern einfach weil ich eben “nur kurz was von der Seite hole”. Wenn ich nochmal ganz zur Fleischtheke latsche, dann nehm ich auch wieder den Kram mit oder lass die anderen vor. Also was der Typ da gemacht hat war echt dreist…

    Hallo Gaba!
    Nett dass du vorbeischaust :)
    Mir kommt es garnicht auf die drei Minuten an. Mir ist es ja gerade egal welche Schlange schneller ist, das ist ja eh meistens Zufall. Ich verstehe eben gerade nicht wieso manche meinen die oder die oder die Kasse wäre schneller, das ist eben meistens ein Trugschluss. Dadurch macht man sich nur unnötig Stress.

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