Grenze der Satire
Das ist eigentlich ein Widerspruch in sich, denn Satire darf eben genau dahingehen wo es wehtut. Den Satz benutzen gern Menschen die sich bisher als liberal verkauft haben, aber nun selbst zum Satireobjekt wurden. Für sie ist auf einmal eine Grenze überschritten worden. Sehr gut konnte man dies zum Beispiel im Zeitraum der Vergabe des Austragungsortes der Fußballweltmeisterschaft 2006 sehen. Denn wir wissen ja alle, dass diese in Deutschland stattfand, aber was ich persönlich bisher nicht wusste, die Abstimmung war auf den ersten Blick manipuliert. Die Weltfußballverbände schicken ihre Vertreter nämlich mit dem Auftrag zur Abstimmung, für das Land zu stimmen, das der Verband präferiert. Und so kam es, dass bei der Abstimmung eigentlich Südafrika den Zuschlag hätte bekommen sollen, aber einer der Vertreter sich entgegen seines Auftrags der Stimme enthielt. Warum tat er das.
Ihr kennt sicherlich das Satiremagazin Titanic, das hatte sich zur Aufgabe gemacht die WM nach Deutschlang zu holen. Und so verschickte es kurz vor der Abstimmung Briefe an alle Vertreter, in denen es ihnen einen Korb voller Deutscher kulinarischer Spezialitäten versprach, wenn sie denn für uns stimmten. Durch das Werben der Südafrikaner und der Deutschen, angeführt von Franz Beckenbauer, die den besagten Vertreter alle beeinflussen wollten und letztendlich den Brief von Titanic, kam der Vertreter des Verbandes von Australien und Ozeanien so in Bedrängung, dass er nicht wie von seinem Verband vorgegeben für Südafrika stimmte, sondern sich enthielt.
Schwupps, die WM kam nach Deutschland. Und die Titanic feierte sich als dasjenige Medium das die WM nach Deutschland brachte. Die Bild Zeitung war aber ganz anderer Ansicht und schrieb, dass die Titanic durch ihr Handeln die langjährige Arbeit von Franz Beckenbauer aufs gröbste gefährdet hätte und sein Vermächtnis, die WM zu uns gebracht zu haben, mit Füßen trete. Außerdem rief die Bild dazu auf, in der Titanic Redaktion anzurufen und ihr die Meinung zu geigen. Und das taten die Bildleser auch. Dabei wurden die übelsten Parolen und Schimpfwörter benutzt.
“In einem Rechtsstaat gehört sowas hingerichtet!”
Und schwupps!
“Das überschreitet eindeutig die Grenze der Satire!”
Man sollte, wenn man Satire mag und akzeptiert, auch selbst zusehen, dass man seine ach so gemütliche liberale Einstellung nicht auf einmal mit seiner selbsterkorenen Grenze der Satire neutralisiert. Das ist nämlich unglaubwürdig!
am 8. Februar 2009 um 17:22 Uhr.
Was ich ja immer noch erstaunlich finde, auch wenn es nur entfernt mit deinem Artikel zu tun hat (sorry
) ist, dass die Kassierer (kennst du, oder?) nicht indiziert sind, weil sie als Satire gelten…
am 8. Februar 2009 um 17:27 Uhr.
Naja, die Kassierer sind ja auch irgendwie sone Truppe die von links UND rechts gehört werden…warum auch immer! Vielleicht liegt es daran…
am 8. Februar 2009 um 18:19 Uhr.
ich fands gut, dass die WM bei uns war… sonst hätte man niemals so viele pseudo-staatseskorten gesehen… oder einen bedenklich stark schwankenden LKW, weil der von euphorischen fans durchgerüttelt wurde, als sein lenker ob des von austickenden feiernden blockierten Kreisels nicht flüchten konnte… oder hupkonzerte am späten abend, wenn viele kinder schon in ihre betten gesteckt worden waren und eigentlich einschlafen sollten… oder fanatische fans, die eine deutschland-flagge schwenkend mit 80km/h durch die gegend brausen… wohl gemerkt AUF einem nicht-cabrio ohne schiebedach!!
und mal ehrlich… in afrika wärs sicher nich so lustig gewesen… zumindest nich für uns deutsche…
am 8. Februar 2009 um 18:26 Uhr.
Dafür kommt die WM ja nächstes Jahr nach Südafrika…da wird man dann sehen wie es da abgeht
Busse die ordentlich durchgeschüttelt wurden, das gabs auch in Kiel…nachher musste dann ein Polizeieinsatzkommando eine Hauptferkehrskreuzug von Fans räumen, weil der ganze Verkehr gar nicht mehr vorankam
am 8. Februar 2009 um 19:20 Uhr.
bei uns haben die leute vom roten kreuz sogar nen fernseher zur blutspende mitgeschleppt, damit sie nix verpassen und die liegen waren auch zum fernseher hin ausgerichtet…
dass die WM gar nich nach deutschland kommen sollte, hab ich gar nich mitbekommen… denke aber, das hatte auch sein gutes für afrika… sie hatten mehr zeit um geeignete sportstätten zu bauen… an denen soll es ja gemangelt haben…
am 8. Februar 2009 um 20:50 Uhr.
Schaps das ist ja interessant. Ich wusste gar nicht das da gemogelt wurde. Siehst du bis zu mir ist das nie durchgedrungen
am 8. Februar 2009 um 21:07 Uhr.
Dini
Ich hab auch versucht überall immer zu kucken…aber war leider nicht möglich. Vor allem nicht auf der Arbeit
Ecki
Zu mir ja auch grad erst vor Kurzem
am 9. Februar 2009 um 05:54 Uhr.
Ich bin auch eine derjenigen, die nicht wussten dass Deutschland gar nicht dran gewesen wäre
am 9. Februar 2009 um 08:18 Uhr.
Och, das wusste ich ja gar nicht, Schaps.
Was man so alles bei dir erfährt. Ich fands auf jeden Fall gut, dass die WM bei uns stattgefunden hat. Das hat Deutschland gut getan, denke ich.
Liebe Grüße,
Martina
am 9. Februar 2009 um 10:56 Uhr.
Lilo
Ich glaube das wussten die wenigsten
Martina
Ich auch…aber was ich grad interessant finde, dass ich mit meiner Anekdote total vom Hauptthema ablenke…grrrr
am 9. Februar 2009 um 13:04 Uhr.
Ja, Schaps – das lenkt tatsächlich ab. Ich tue mir gerade unendlich schwer damit, “die Grenze der Satire” mit dem Fußballereignis in Einklang zu bringen… ich glaube man kann es gleichsetzen mit: “Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu”.
am 9. Februar 2009 um 13:18 Uhr.
Ja. Und mit der Kritikfähigkeit ^^
Ich schreib immer über dasselbe
am 9. Februar 2009 um 16:11 Uhr.
Haha. Ich find das erste Zitat ja sautoll. Das kann nur von einem BILD-Leser kommen…
am 9. Februar 2009 um 16:28 Uhr.
DAS dachte ich mir auch, Anj! ^^
am 9. Februar 2009 um 19:09 Uhr.
Liebster Schaps. Erwischt.
Ich gestehe, ich habe mich gerne vom Hauptthema ablenken lassen. 
Äh, vielleicht weil ich das nicht so ganz verstanden habe, wie du das meinst… vielleicht hatte ich heute einfach zuwenig Schlaf (hatte ich eindeutig!) und meine müden Gehirnzellen sind heute nicht so funktionstüchtig, wie sonst.
Warum darf Satire keine Grenze haben? Gibt es nicht überall Grenzen? Hmm… ich muss zugeben, darüber habe noch nie nachgedacht, hat sich bisher einfach nicht ergeben.
Wenn ich aber ein Messer (oje) in dich hineinramme und es dreimal umdrehe… ist da nicht doch irgendwie eine winzig kleine Grenze überschritten?
Satire darf wehtun. Okay. Wenn ich dich jetzt kneife, tuts auch weh.
Ach so, die Titanic kenne ich nur als Film.
Das Satiremagazin kenne ich tatsächlich nicht. Sollte ich das nachholen?
Liebe Grüße,
Martina
am 9. Februar 2009 um 19:30 Uhr.
Also kennen sollte man es zumindest, das Heft hab ich auch nur ein Paarmal gekauft, kam nicht mit lesen hinterher…undn du warst jetzt nicht speziell angesprochen….fands nur irgendwie witzig, dass alle auf die WM Geschichte eingehen, hätt ich mir aber wiederum auch denken können, da das kaum jemand wusste
Und ob Satire ein Messer reinrammen darf: Ja, darf es, aber es darf nicht töten
am 9. Februar 2009 um 19:36 Uhr.
Also, gibt es doch eine Grenze, wenn das Satiremesser nicht töten darf.
Ach, Schaps, dass alle auf die WM-Geschichte eingehen, ist doch nur ein Ablenkungsmanöver, weil sie die Satirengrenze auch nicht verstanden haben.
am 9. Februar 2009 um 19:40 Uhr.
ich hab dieses TITANIC-magazin mal im laden gesehen und dachte yeah.. cooler titel… aber als ich dann reingekuckt hab, war mir das dann doch irgendwie zu… reisserisch… *schulterzuck… denk auch nich, dass ich da groß was verpasst hab… schließlich ist die titanic ja trotz allerhochtönigsten Lobesliedern gesunken…
am 9. Februar 2009 um 19:47 Uhr.
Martina
Vielleicht sind hier alle satireuntauglich? Das wäre ja ein Graus für mich! Ich fahr nämlich total drauf ab
Dini
Haha, ja die ist gesunken trotz aller Lobeshymnen ^^
Aber Titanic ist doch nicht reißerisch, das ist doch die Natur von Satire
am 9. Februar 2009 um 20:50 Uhr.
dann hab ich vielleicht einfach mehr von nem sarkast in mir als von einem satirist…
am 9. Februar 2009 um 21:39 Uhr.
Die Titanic hatte ja damals nach der Aktion und dem Bild Aufruf, der Redaktion der Titanic mal die Meinung zu geigen einige Mitschnitte von Anrufen ins Netz gestellt.
Die waren teilweise sehr lustig.
Anrufmitschnitte
Mein Favorit ist das Letzte Ding: “Ja ich soll hier mal anrufen”
am 9. Februar 2009 um 22:53 Uhr.
Dini
Na gut, das kann sein
Schoni
Genau auf diese Mitschnitte bezog ich mich, wollte aber nicht den Link auch noch reinschreiben…aber danke dass dus gemacht hast!
am 9. Februar 2009 um 23:04 Uhr.
“Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.”
Das hat der gute Tucholsky gesagt.
Und deshalb darf Satire fast alles, sie sticht mit spitzen Fingern eine Schwachstelle an – und dass die allmächtigen Fußballmogule so vorgeführt wurden, hat einfach Klasse.
Aber sie muss einen Hintergrund haben und darf nicht einfach verbal blind drauflos prügeln.
Und nebenbei – ich fands toll, dass die WM in Deutschland war.
am 9. Februar 2009 um 23:10 Uhr.
Es fanden ja auch nur die blöd, die damit nix anfangen konnten…aber das waren ja zum Glück nur wenige
Das Eingangszitat ist gut, muss ich mir mal versuchen zu merken! Dem Rest kann ich nur zustimmen
am 9. Februar 2009 um 23:33 Uhr.
ich hab mir grade die ganzen dinger angehört….
es erstaunt mich, dass die leute überhaupt gar nicht checken wie sie von dem herrn am telefon auf den arm genommen werden… aber was will man von bildzeitungslesern auch erwarten… ^^
großen respekt hab ich vor dem herrn am telefon… ich hätte nich die nerven mich mit solchem gesocks rumzuärgern…
am 9. Februar 2009 um 23:39 Uhr.
Als Satiriker muss man das können, genauso wie es gute Schauspieler können müssen…beide Spezies brauchen ein dickes Fell
am 10. Februar 2009 um 00:02 Uhr.
du zählst dich zu den satirikern..?
am 10. Februar 2009 um 08:54 Uhr.
Was die Leute am Telefon so von sich geben, ist schon unglaublich

Aber jeder blamiert sich eben so gut wie er kann
am 10. Februar 2009 um 09:22 Uhr.
Dini
Ich liebe Satire zumindest und bekomme sie eigentlich nie in den falschen Hals…
Sabine
Ja, Hauptsache Auftrag der Bildzeitung erfüllen!
am 10. Februar 2009 um 11:22 Uhr.
Na … auch das ist Demokratie
Außerdem -
Wären alle lieb, dann gäbe es ja nix zu satieren …
am 10. Februar 2009 um 11:33 Uhr.
Stimmt auch wieder!
am 11. Februar 2010 um 19:56 Uhr.
Na ja, was will man von BILD-Lesern anderes erwarten? Die werden ja jahrelang durch die Hassparolen der genannten Zeitung aufgehetzt, alles niederzumachen, was nicht dem beschränkten Formulieren der BILD-Redakteure enstpricht.
Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die BILD marketingtechnisch genial ist: Käseblatt mit kurzen Sätzen, für die Unterschicht leicht zu verstehen und die sowieso schon allgegenwärtigen Vorurteile genau treffend! Ich selbst würde mich allerdings in Grund und Boden schämen, wenn ich dort arbeiten würde.
am 11. Februar 2010 um 20:12 Uhr.
Da hast du ja was Altes entdeckt
Jap, arbeiten könnt ich in dem Verlag NIEMALS. Marketingtechnisch kann ich nachvollziehen was du meinst, aber man muss auch beachten, dass die Bild seit 9 Jahren Auflage und Leser verliert und eine richtige Strategie dagegen gibt es nicht wirklich…