Wenn man sich dieser Tage die große Koalition zurückwünscht und sich damit für offensichtlich verrückt erklärt, gehen einem die Dinge durch den Kopf die die politische Landschaft in den letzten Monaten geprägt haben. Und man stellt Theorien auf, was und wieviel die von uns gewählten Vertreter im Bundestag eigentlich geraucht haben um unter einem dermaßen grausigen Realitätsverlust zu leiden. Gras kann es nicht gewesen sein. Auf Gras kommen um Welten kreativere, bessere Ideen zustande. Nein, was diese Menschen konsumiert haben ist Macht. Und wie jeder der Macht hat haben sie Angst diese wieder zu verlieren. Anders kann man sich diesen Misch aus Populismus, Lobbyismus und das was man ansatzweise Politik nennen kann nicht nennen. Und es ist ja nichtmal so, dass es mit der Zeit schlimmer wurde. Nein, es fing schon ganz unten an. Und seitdem hat sich einiges geändert, denn es geht immer weiter nach unten, politik- und umfragetechnisch.
Dagegen wird einiges getan, nämlich Klientelpolitik, die gute Alternative zum Lobbyismus. Die Regierung ist ein Paradebeispiel für den misslungenen Spagat zwischen Politik und Lobby und da dieser nicht funktionierte, zwischen Politik und Parteianhängern. Die Anhänger wollen selten das, was die Partei später durchsetzt, aber sie akzeptieren es in den meisten Fällen. Doch in diesem Fall gibt es nicht viel zu akzeptieren, die Union hält an solchen Dingen wie der Wehrpflicht fest, weil sie glaubt ihre Wähler würden es so wollen. Glauben kann man heutzutage viel, man kann auch mit Händen vor den Augen glauben man sei unsichtbar. Fast die Hälfte der Wehrpflichtigen wird ausgemustert, aus den verschiedensten Dingen, nur nicht aus Untauglichkeit. Oder wenn man es genaunimmt dann schon. Man muss nur immer wieder neu definieren was Tauglichkeit ist. Schon in meiner Schulzeit wurde über das Ende der Wehrpflicht geredet und ich dachte damals, dass die eh bald abgeschafft wird und ich nicht eingezogen werde. Pustekuchen. Inzwischen wurde sie wiedereinmal verkürzt auf sechs Monate. Whaat!? Ich bin zwar kein Militär, aber reichen sechs Monate aus um vollkommene Grünschnäbel zu Soldaten zu machen? Vor allem wenn sie die meiste Zeit eh nur mit Nichtstun auf den Kopf schlagen? Dann wird zudem jedesmal angeführt, dass der Zivildienst unentbehrlich sei. Nur erstmal klappt es in anderen Ländern auch und zweitens wurde zwanzig Jahre lang nie ernsthaft über das Thema geredet, der Wehrdienst war schon immer trotz fehlender Gerechtigkeit ein rotes Tuch. Warum auch immer.
Heute leidet auf einmal alle Welt unter den Schulden, die sechzig Jahre lang angehäuft wurden. Von diesen Schulden wusste bis heute offensichtlich niemand, sonst würde jetzt ja nicht so panisch angefangen werden zu “sparen”, also Einnahmen zu erhöhen um Schulden “zurückzuzahlen”. Endlich denkt auch mal jemand an die “Kinder”! Wow, das höre ich jetzt auch schon seit zwanzig Jahren. Das wird immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt, wie die Scheiße in der Kirche. Geändert hat sich nichts. Nur dass heute die großen weisen Politiker die Zeichen der Zeit erkannt haben, nämlich dass man nicht mehr ausgeben kann als man einnimmt. Das muss man ihnen zugute halten, das war immerhin sechzig Jahre lang nicht ganz klar, da dachte man das Geld kommt aus einer fremden Einwegdimension. Diese Dimension heißt Zukunft. Und die hat keinen Bock mehr für den Mist von heute geradezustehen, es muss wirklich gespart werden. Und wie gut das unsere Regierung kann hat sie ja eindeutig gezeigt, durch Einnahmenerhöhung. Natürlich! Wenn ich jeden Monat Schulden mache, dann liegt der Fehler nicht bei mir, sondern an meinem Geldgeber. Ein gutes Beispiel für die Menschen, wenn sie verschuldet sind und es immer schlimmer wird, dann einfach mehr Gehalt verlangen.
Von Politik ist das Ganze, was sich CDU und FDP und ja, das Geschwür CSU, momentan anstellen weit entfernt. Es ist ein Misch aus Verzweiflung, Angst, Planlosigkeit, Ideenlosigkeit, Realitätsverlust, Machtgehabe und Streitereien jeglicher lächerlicher Art. Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke nur mit einer Brennelementesteuer. Was soll denn das bitte? Daraus schließe ich, dass die Regierung Atomkraftwerke mag, aber nur so doll, wie diese bereit sind mehr Steuern zu zahlen. An der Wehrpflichtdauer wird festgehalten, sie wird aber wieder einmal verkürzt. Daraus schließe ich, dass die Regierung die Wehrpflicht mag, aber nur so doll, wie ihre Wähler sie mögen. Die Kopfpauschale wurde zurückgewiesen. Jahrelang war das ein “Lieblingsprojekt” der Union und der Liberalen, auf einmal fassen sie es an als wäre es Gift und auch hier gilt: Defizite beseitigen indem man die Einnahmen erhöht, wenn der Kram denn jemals kommt, denn da meldet sich genauso wie bei der Wehrpflicht das Geschwür aus Bayern, das eh immer nur etwas zu sagen hat indem es meckert und jammert.
Und dann auf einmal kommt die Supernachricht! Deutschland macht dieses Jahr weniger Schulden als bisher gedacht. Und sofort ruft die FDP wieder nach Steuersenkungen. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass man unter schwersten, allerschwersten Halluzinationen durch Drogen leidet. Klar, wenn ich diesen Monat auf wundersame Weise weniger Schulden mache als im letzten, dann kann ich mir schonmal ein neues Handy leisten! Da kann mir keiner was erzählen. Nein, hinterm Mond ist noch deutlich zu nett. Was die FDP gerade durchmacht ist der schlimmste Entzug ihrer Geschichte. Der Entzug wirkt aber nicht, solange man weiter Drogen nimmt. Und das was die gesamte Regierung durchmacht, ist das Hadern mit der Realität. Sie weiß, dass sie abhängig ist, will aber nicht in die Reha. Deswegen schlägt sie wild um sich und beschließt Dinge, die morgen im Kater grauenhaft aussehen, wie der Präsidentschaftskandidat Christian Wulff. Aber warum sollte sie auf nem Trip auch vernünftig handeln, da ist man eh nicht zurechnungsfähig. Darauf kann sie später ja plädieren, wenn es zur großen Abrechnung kommt. Dann wird einem vielleicht auch Christian Wulff verziehen.